Verleihung des Emma-Carstensen-Preises mit Buchpräsentation am 18. August
Am 18. August 2021 um 19 Uhr wird im Husumer Rathaus (Zingel 10) in einer öffentlichen Veranstaltung erstmals der Emma-Carstensen-Preis verliehen. Der Abend beginnt mit der Vorstellung des Buches „Emma und Ina Carstensen. Zwei starke Frauen in Nordfriesland“ von Siegfried Carstensen.
Details:
Am 18. August wird zum ersten Mal der von Siegfried und Marianne Carstensen neu gestiftete Emma-Carstensen-Preis verliehen. Mit diesem werden zukünftig jährlich in Husum lebende Frauen ausgezeichnet, die nach der Flucht unter anderem erfolgreicheinen Bildungs- und /oder Berufsabschluss erstritten und erarbeitet haben. Der Preis ist mit 1000 € dotiert.
Der Abend beginnt mit der Vorstellung des Buches „Emma und Ina Carstensen – Zwei starke Frauen in Nordfriesland“ durch den AutorSiegfried Carstensen (Enkel von Emma Carstensen), gefolgt von einer kurzen Lesung durch Angelika Zöllmer-Daniel, die das Buch lektoriert hat.
Veranstalterinnen sind die Husumer Frauengeschichtswerkstatt, die Frauentheatergruppe 5plus1 und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Husum.
Der Eintritt ist kostenlos.
Die Presse wird darum gebeten, in ihren Medien über die Veranstaltung zu informieren.
Informationen zur Anmeldung und zur Teilnahme:
Die Platzzahl ist begrenzt. Die Teilnahme erfolgt gemäß der aktuellen Corona-Regeln.
Es wird darum gebeten sich bis zwei Tage vor dem Termin anzumelden: per E-Mail unter gleichstellungsbeauftragte@husum.de oder telefonisch unter 04841-666-196.
Hintergrundinformationen zu Emma Carstensen:
Emma Carstensen war eine Husumer Lehrerin, Frauenrechtlerin und Politikerin. Neben Christine Petersen war sie die erste weibliche Stadtverordnete in Husum.
Nachdem Emma Carstensen geb. Rienau (1870 – 1940) eine Ausbildung zur Kindergärtnerin absolviert und das Lehrerinnenseminar in Lübeck besucht hatte, wurde sie Lehrerin an der Nord- und Osthusumer Schule. Sie heiratete Christian Carstensen (Lehrer an der Knaben-Bürgerschule in Husum) und musste daraufhin ihren Beruf aufgeben und auf alle erworbenen Pensionsansprüche verzichten, weil sie damit gegen das damals existierende Lehrerinnenzölibat verstoßen hatte. Sie übernahm Vorstandsarbeiten im emanzipatorischen Verein „Frauenwohl“ und war eine Mitbegründerin des Hausfrauenvereins. Außerdem war sie Gründungsmitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) in Husum und wurde 1919 für diese in das Stadtverordnetenkollegium gewählt. Emma Carstensen war gemeinsam mit Christine Petersen (SPD) die erste weibliche Stadtverordnete in Husum und arbeitete gegen Wohnungsmangel sowie Ernährungs- und Bildungsnot.
In Husum ist eine Straße nach Emma Carstensen benannt worden und kürzlich wurde der Emma-Carstensen-Preis neugestiftet.
Ina Carstensen (1898 – 1985), eine der zwei Töchter von Emma Carstensen, war in der Nachkriegszeit die erste Schulrätin von Husum und Eiderstedt. Als sensible Beobachterin und Chronistin hinterließ sie ihre Erfahrungen in den von Wirtschaftskrise, Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg geprägten Zeiten.
Weiterer Terminhinweis:
Am 25. August 2021 um 19 Uhr findet im Nordfriesland-Museum (Nissenhaus) die Lesung „Nur keine Lehrerin“ nach einem Text von Emma Carstensen statt.
Hinweise zur Teilnahme: siehe oben
Hintergrundinformationen zum Emma-Carstensen-Preis:
Nach dem Bildungsbericht der OECD ist in Deutschland noch immer die soziale Herkunft eines Kindes der Schlüssel zu Erfolg oder Misserfolg im Bildungssystem.
In der soziologischen Forschung der sechziger Jahre galten die vier Merkmale der „katholischen Arbeitertochter vom Lande“ für die am meisten deprivierte Person im Bildungssystem. In der heutigen Migrationsgesellschaft kommt das Merkmal der weiblichen Geflüchteten hinzu bzw. ersetzt andere. In vielen Gesellschaften, aus denen Geflüchtete gegenwärtig nach Deutschland kommen, sind Bildungschancen für Mädchen in weit geringerem Maße vorhanden als dies in mitteleuropäischen Ländern im 21. Jahrhundert der Fall ist. Bei ihrer Ankunft in Deutschland finden diese Mädchen und jungen Frauen eine Gesellschaft vor, die ihnen zunächst oft völlig fremd ist, deren Lebens- und Berufsforderungen ein undurchschaubares Labyrinth von Voraussetzungen, Berechtigungen, Zertifikaten und von fremden Lehr- und Lernzielen darstellen, die weit mehr Energien zur Zielerreichung erfordern als es für Einheimische nötig ist.
Kaum wahrgenommen von der Mehrheitsgesellschaft gibt es aber in Deutschland und auch in Husum junge Frauen, welche die ihnen hier gebotenen Möglichkeiten nutzen und sich zum Teil jahrelang gehegte Bildungswünsche erfüllen können. Sie wirken damit auch den in den letzten Jahren wieder vermehrt aufkommenden Vorurteilen und Ressentiments gegenüber zugewanderten Neubürger-/innen entgegen und bestärken zudem die alte Forderung nach Chancengerechtigkeit weltweit.
Der Emma-Carstensen-Preis soll in Erinnerung an die Lebensleistung Emma Carstensens an eine Frau verliehen werden, die sich nach der Flucht trotz aller Widerstände mit Mut und Energie in Husum ein neues Leben aufgebaut hat.
Ausgezeichnet werden soll eine Frau
- für das Aushalten eines Status-Verlustes und die Öffnung zu einer Neuorientierung
- für das erfolgreiche Erstreiten und Erarbeiten einer Bildungs- und/oder Berufsabschlusses sowie
- für eine bewusste Auseinandersetzung mit Herkunft und Migration
Ins Leben gerufen wird dieser Preis von dem Enkel Siegfried Carstensen und seiner Frau Marianne Carstensen. Er wird erstmalig am 18.08.2021 und ab 2022 jährlich am 20. Juni, dem UN-Weltflüchtlingstag, vergeben. Unter Umständen können auch Projekte oder Institutionen mit gleicher Zielrichtung gewürdigt werden. Eine Eigenbewerbung ist möglich.
Für die Auszeichnung steht jährlich ein Betrag von 1000 € zur Verfügung. Die Entscheidung über die Preisverleihung trifft ab 2022 eine Jury. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Geschäftsführung der Jury liegt bei der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Husum.
