Theodor Storms musikalisches Erbe im Mittelpunkt: Storm-Preis für Ulf Bästlein
Der Bassbariton und promovierte Germanist Dr. Ulf Bästlein ist mit dem Theodor-Storm-Preis 2026 der Stadt Husum ausgezeichnet worden. Erstmals geht die Ehrung damit an einen Musiker. Bürgervorsteher Robert Koch und Bürgermeister Martin Kindl übergaben den Preis im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Schloss vor Husum und gratulierten herzlich.
Die Jury würdigte insbesondere Bästleins Verbindung von künstlerischer Praxis und wissenschaftlicher Forschung. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich intensiv mit der musikalischen Seite von Storms Werk. Bereits 2004 nahm er gemeinsam mit dem Pianisten Charles Spencer Lieder nach Gedichten Storms auf. Die 2020 veröffentlichte Aufnahme mit Liedern von Gustav Jenner nach Storm-Gedichten setzte diese Arbeit fort und verband die musikalische Interpretation mit umfangreicher editorischer Archiv- und Quellenarbeit.
Für Bästlein ist die Auszeichnung auch persönlich von großer Bedeutung. In seiner Dankesrede bezeichnete er Storm als einen der beiden Dichter, die ihn – neben Goethe – seit seiner Jugend begleiten. Zugleich betonte er, wie besonders es für ihn sei, den nach Storm benannten Preis als erster Musiker entgegennehmen zu dürfen. Im Zentrum seines künftigen Projekts stünde die Musik in Storms Leben und Werk. Gemeinsam mit seinem langjährigen musikalischen Partner Charles Spencer sowie ausgewählten Nachwuchssängerinnen und -sängern möchte Bästlein bislang ungehobene Schätze aus dem Musikarchiv des Storm-Zentrums erschließen und einspielen. Das Projekt soll dabei ausdrücklich auch verschiedene Generationen zusammenführen.
„Eine besondere Idee dabei ist die Nutzung des vor wenigen Jahren aufwendig restaurierten Ibach-Tafelklaviers, das Johann Casimir Storm seinem Sohn Theodor zu Weihnachten 1858 schenkte und das heute im Wohnzimmer des Storm-Hauses in der Wasserreihe steht. Ein Glücksfall für die musikalische Erinnerung an den Dichter“, so Dr. Christian Demandt, Leiter des Storm-Zentrums, in seiner Laudatio.
Bästlein sehe darin zugleich eine Möglichkeit, Storms Poesie aus einer neuen Perspektive sinnlich erfahrbar zu machen. Denn die Musik sei für Storm weit mehr als eine Freizeitbeschäftigung gewesen. Er habe selbst gesungen, Klavier gespielt, Chöre geleitet und die Musik intensiv im Kreis seiner Familie und Freunde gepflegt. Den Gesang habe Storm als seinen „Lebensodem“ bezeichnet, sagte der Preisträger.
Ulf Bästlein studierte Altphilologie, Philosophie und Germanistik in Freiburg, Wien und Rom sowie Gesang in Freiburg. Seit 2001 ist er Professor für Gesang an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Gemeinsam mit Charles Spencer leitet er seit 2000 die Konzertreihe „Liedkunst im Schloss vor Husum“. Für seine künstlerische und wissenschaftliche Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2018 den Hans-Momsen-Preis und 2021 den Verdienstorden des Landes Schleswig-Holstein.
Der mit 8.200 Euro dotierte Theodor-Storm-Preis wird seit 1998 von der Stadt Husum vergeben. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören:
2022: Regina Fasold, Literaturwissenschaftlerin
2018: Frank Düwel, Theaterregisseur
2014: Tilman Spreckelsen, Journalist und Buchautor
2010: Jochen Missfeldt und Dr. Christian Demandt
2006: Malte Stein, Germanist und Autor
2002: Gisela Mott-Dreizler und Reinhard Scheuble
1998: David A. Jackson, Storm-Forscher und Biograf
