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Datum: 06.12.2021

Nach »10 Jahren Arbeit, Mut und Glauben«: Husumer Marienkirche hat eine neue Orgel


Husum (ge) – „Danke Gott!“ Mit diesen zwei Worten eröffnete Pastor Friedemann Magaard den Gottesdienst anlässlich der Einweihung und Segnung der neuen Orgel in der Husumer Marienkirche. Er bekräftigte sein tiefes Gefühl des Dankes, indem er die Dankesformel in unterschiedlichen Sprachen vortrug und betonte, wie viele Menschen mit großen oder auch kleineren Beiträgen dafür gesorgt haben, dass die neue Orgel erworben werden konnte. Hierbei erinnerte er auch an Volker Articus († 2019) und Dr. Ulf von Hielmcrone († 2020), die sich in besonderer Weise dafür engagiert hatten. „Sie freuen sich heute mit uns“, so Magaard.

Musikalisch eröffnet wurde der Festgottesdienst von der Husumer Musikerin Emma Lamy, die das Lied „Nun danket alle Gott“ auf dem Waldhorn spielte.



Zahlreiche Gäste kamen in der Marienkirche zusammen, um die von der renommierten Bonner Orgelbauwerkstatt Klais hergestellte Orgel, die nun ihren Dienst aufnimmt, zu feiern. Neben kirchlichen und weltlichen Würdenträgern Husums – Probst Jürgen Jessen-Thiesen, den Husumer Pastorinnen und Pastoren (darunter auch Pfarrer Germain Gouen von der katholischen Kirchengemeinde St. Knud), den Mitgliedern des Kirchengemeinderats, Bürgervorsteher Martin Kindl, Bürgermeister Uwe Schmitz sowie Mitgliedern des Stadtverordnetenkollegiums - nahmen auch überregional bekannte Persönlichkeiten an dem feierlichen Gottesdienst teil: Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landeskirchenmusikdirektor Hans-Jürgen Wulf, Orgelsachverständiger Hans-Martin Petersen und Philipp Klais (der Erbauer der Orgel).



Grundlage der Predigt von Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt war der Bibeltext aus Jesaja 63, 15-64. Der Text sei „ein Weckruf in spannungsreicher Zeit … der bisher schlimmsten Welle der Corona-Pandemie.“ Sie sprach davon, dass die „Balance zwischen dem Wunsch nach individueller Freiheit einerseits und einer Gemeinschaft andererseits“ immer wieder ausgelotet werden müsse und ermutigte dazu inmitten von Sorgen und Ängsten das Herz aufzuschließen für „die helle Festfreude über den wunderbaren Klang dieser neuen Orgel“ und für „Liebe, Frieden und Geborgenheit, die den Advent prägt und bestimmt“. Nach ihrer Predigt segnete die Landesbischöfin die neue Orgel.



Der Höhepunkt des festlichen Gottesdienstes war die Präsentation des „königlichen Instruments“ durch Kirchenmusiker Kai Krakenberg, der sich selbst als „Diener der Königin“ bezeichnet. Er begann sein Orgelspiel mit ganz ruhigen Tönen, so als würde die Klais-Orgel ganz bescheiden auf Zehenspitzen die Husumer Marienkirche betreten, um sich als neues Gemeindemitglied vorzustellen. Doch nach und nach wurde das Orgelspiel Krakenbergs immer lauter und vielstimmiger, bis die ganze Akustik der 2460 Orgelpfeifen kraftvoll durch die Husumer Marienkirche schallte, was von den Zuhörerinnen und Zuhörern mit Beifall bedacht wurde. Krakenberg führte vor, was die neue Orgel Besonderes zu bieten hat: die Töne der Klarinette, der Konzertflöte, des Cellos und der Viola. Er berichtete davon, dass die Tuba, die in England „State Trumpets“ genannt wird, dort nur gespielt werden dürfe, wenn die Königin anwesend ist. „Wir dürfen sie immer benutzen, unabhängig von Personen“, sagte er und schlug scherzhaft vor, dass man diese immer spielen könne, wenn Bürgermeister Uwe Schmitz anwesend ist.



Es folgte eine Vielzahl von Grußworten: Der Orgelsachverständige Hans-Martin Petersen sagte „Nordfriesland hat eine neue Königin“ und Landeskirchenmusikdirektor Hans-Jürgen Wulf bezeichnete den Kirchenkreis Nordfriesland gar als „Orgelparadies“. Wulf freue sich, wenn Menschen sich von der „Kraft der Orgel“ anstecken ließen.

Bürgermeister Uwe Schmitz überbrachte einen herzlichen Glückwunsch von der weltlichen Gemeinde an die geistliche Gemeinde. Er habe großen Respekt davor, was geleistet worden ist, um die neue Orgel zu realisieren: von den ersten Terminen bis zur feierlichen Einweihung. Schmitz erinnerte an die Stadtwette, bei der Peter-Harry Carstensen keinen sehnlicheren Wunsch gehabt habe als zu verlieren. Das besondere Klangerlebnis beim Hören der neuen Orgel zeige, was Menschen gemeinsam erreichen können, so Schmitz.



„Der Orgelbauverein ist eine Maschine, die gestartet worden ist, damit das Projekt vorankommt“, machte Pastor Friedemann Magaard deutlich und würdigte damit in besonderer Weise die langjährige Arbeit von Dietmar Gawellek (dem Vorsitzenden des Orgelbauvereins) und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern. „Es gab viele Zweifler, aber wir gehörten nicht dazu“, sagte Hans-Peter Johannsen, Leiter der Orgelprojektgruppe. Es seien „10 Jahre Arbeit, Mut und Glauben“ gewesen, bis endlich die neue Orgel den Weg in die Marienkirche fand, so Johannsen. Ebenfalls erfreut zeigte sich Propst Jürgen Jessen-Thiesen: „Ich bin sicher, dass die Orgel großen Anklang findet, weil sie viel in uns zum Klingen bringt.“ Pastor Magaard verlas ein Grußwort von Richard und Heidi von der befreundeten Kirchengemeinde in Kidderminister. Diese wären gerne nach Husum gekommen, aber aufgrund der Pandemie musste die Reise abgesagt werden.




„Das möchte ich in meinem Leben nicht noch einmal erleben, dass wir eine neue Orgel brauchen“, sagte Pastor Andreas Raabe rückblickend auf die Jahre voller Anstrengung, in denen mit einer provisorischen Orgel gearbeitet werden musste. Er dankte allen Institutionen und Menschen, ohne die der Erwerb der Klais-Orgel nicht möglich gewesen wäre. „Ihr habt an die Orgel geglaubt und nun ist da. So wünsche ich uns ganz viel Freude und Erbauung daran.“