Emma-Carstensen-Preis an Somayeh Nabikhani verliehen
Heute, am Weltflüchtlingstag, ist im Husumer Rathaus der Emma-Carstensen-Preis an Somayeh Nabikhani verliehen worden. Die Auszeichnung würdigt Frauen, die nach einer Flucht mit Mut, Ausdauer und großem persönlichen Einsatz einen neuen Lebensweg eingeschlagen haben
Zum sechsten Mal wurde der Preis vergeben, erstmals in Trägerschaft der Stadt Husum. Durch die Veranstaltung führte Britta Rudolph, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Husum, die auch die Jury-Sitzungen koordinierte. In ihrer Begrüßung richtete sie Grüße von Bürgermeister Martin Kindl aus, ging auf die Bedeutung des Weltflüchtlingstages ein und erläuterte die Entscheidung der Jury.
Somayeh Nabikhani floh 2013 gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Sohn aus dem Iran nach Deutschland. In einer Zeit, in der es nur wenige Unterstützungsangebote für Geflüchtete gab, lernte sie die deutsche Sprache, orientierte sich beruflich neu und baute sich Schritt für Schritt ein neues Leben auf. Heute ist sie deutsche Staatsbürgerin, Mutter von zwei Söhnen und Mitarbeiterin der Kita Deichkinder in Husum. Ausgezeichnet wurde sie unter anderem für ihren Umgang mit dem Verlust ihrer bisherigen beruflichen und gesellschaftlichen Stellung, für ihren erfolgreichen beruflichen Neuanfang sowie für ihre bewusste Auseinandersetzung mit den Themen Herkunft und Migration.
Die Urkunde und den mit 1.000 Euro dotierten Preis überreichte Bürgervorsteher Robert Koch. „Mit dem Emma-Carstensen-Preis werden Lebensgeschichten sichtbar gemacht, die Mut machen und zeigen, was mit Ausdauer, Entschlossenheit und dem festen Glauben an die eigene Zukunft möglich ist“, sagte er in seiner Laudatio. Zugleich dankte er Marianne und Siegfried Carstensen für ihre Initiative, aus der die Auszeichnung entstanden ist.
Mit Blick auf die Preisträgerin meinte er: „Wer in einem fremden Land neu beginnt, braucht Mut. Wer dabei immer wieder Hindernisse überwinden muss und dennoch nicht aufgibt, verdient besondere Anerkennung. Frau Nabikhani hat diesen Weg mit großer Stärke gemeistert.“ Ihr Lebensweg zeige eindrucksvoll, dass Integration kein einmaliger Schritt, sondern ein langer Prozess sei, der Engagement, Geduld und Durchhaltevermögen erfordere. „Heute sind Sie nicht nur Ehefrau, Mutter, Kollegin und Nachbarin. Sie sind ein Vorbild für viele Menschen“, so der Bürgervorsteher.
In ihrer Dankesrede machte Somayeh Nabikhani anderen Frauen Mut, die in einem neuen Land noch einmal von vorne anfangen müssen. „Glauben Sie an sich selbst, nutzen Sie die Chancen, die sich Ihnen bieten, und lassen Sie sich nicht von Ihrem Alter, Ihrer Sprache oder von Rückschlägen entmutigen. Sie können eine liebevolle Mutter und eine gute Ehefrau sein und gleichzeitig Ihren eigenen beruflichen Weg finden und ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft sein. Ich bin der lebende Beweis dafür, dass Träume Wirklichkeit werden können. Wer nicht aufgibt, kann mehr erreichen, als er sich jemals vorgestellt hat.“
Ein weiterer Programmpunkt war das Gespräch „Die Geschichte eines Preises“ mit den Eheleuten Carstensen, der Gleichstellungsbeauftragten sowie Nadia Elham, der Preisträgerin des Jahres 2024. Marianne und Siegfried Carstensen zeigten sich erfreut darüber, dass die Stadt Husum die Zukunft des Preises sichert. Gleichzeitig dankten sie Britta Rudolph für ihre langjährige Begleitung und Unterstützung. Ihr Wunsch sei es, dass der Preis zu einer festen Tradition in Husum wird. Darüber hinaus regten sie an, künftig auch ein Einbürgerungsfest zu etablieren, um neue Bürgerinnen und Bürger in der Stadt besonders willkommen zu heißen.
Für einen kulturellen Akzent sorgte Angelika Zöllmer-Daniel von der Husumer Frauengeschichtswerkstatt mit ihrem Beitrag „Spiegelungen“. Darin stellte sie Gemeinsamkeiten zwischen Emma Carstensen und der diesjährigen Preisträgerin heraus. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Peyman Jokar von der Gemeinschaftsschule Husum Nord.
Der Emma-Carstensen-Preis erinnert an die Husumer Lehrerin, Frauenrechtlerin und Kommunalpolitikerin Emma Carstensen (1870–1940). Sie gehörte zu den ersten Frauen in der Husumer Kommunalpolitik und setzte sich für Bildung, soziale Gerechtigkeit und die Rechte von Frauen ein. Ins Leben gerufen wurde die Auszeichnung 2021 von Marianne und Siegfried Carstensen, einem Enkel Emma Carstensens.
Zur Jury des Emma-Carstensen-Preises 2026 gehörten: Marianne und Siegfried Carstensen als Stifterin und Stifter der ersten fünf Preisverleihungen, die Stadtverordneten Ruth Grenz und Jan Henning Clausen, Christina Zimmermann, Leiterin des Sozialzentrums Husum und Umland, Eugenie Sibbersen, Preisträgerin des Jahres 2021, Nataliia Lapshyna, Preisträgerin des Jahres 2025, Angelika Zöllmer-Daniel für die Husumer Frauengeschichtswerkstatt, Meike Hansen von der Beratungsstelle Frau & Beruf, Susanne Weber-Nehl von der Volkshochschule Husum sowie Britta Rudolph.
